Sport ohne Homophobie – Geht das?
26.05.2006 09:09
Sport ohne Homophobie – Geht das?
Hier die Bilder und einige Eindrücke vom Queer City Talk: "Die Fans vom anderen Ufer".
In einer lockeren Atmosphäre begrüßten der schwule Gemeinderat Marco Schreuder und Stadtrat David Ellensohn eine interessante Mischung an Gästen auf der Couch. Ihnen allen war gemein, dass sie mit Fußball zu tun haben.
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Mit dem bekanntesten seiner Gäste begann Schreuder das Gespräch: Didi Constantini erzählte von seinen Erfahrungen mit Rassismus und Homophobie, schließlich war er als Trainer und Spieler bei zahlreichen großen Mannschaften im In- und Ausland engagiert.
Macho-Sport Fußball?
Angesprochen auf das berühmte Zitat von Otto Baric, der einen Schwulen in seinem Team sofort erkennen und entfernen würde, meinte Constantini, dass der mittlerweile greise Baric nun auch ein Mann einer anderen Generation sei und deswegen sehr auf seiner Meinung beharren würde. Er selbst hätte kein Problem mit der sexuellen Orientierung seiner Spieler, auch wenn sich ihm gegenüber noch keiner geoutet hätte. Was zähle sei die Leistung der Spieler. Ob denn Fußball so ein Macho-Sport sei, dass Homosexualität deswegen ausgeklammert würde, wurde aus dem Publikum gefragt. Seine Antwort darauf verblüffte etliche im Publikum: Im Gegenteil, Fußballer seien oft sehr sensibel und manchmal unsicher. Ein Trainer müsse genauso technisches Wissen vermitteln können und gleichzeitig persönlich motivieren können. Deswegen sei es so wichtig für Spieler, dass sie in einem Team spielen, in dem sie sich wohl fühlen, denn erst dann können gute Leistungen erbracht werden.
Widerstand von den Verbänden
Fußballerin Ulli Seiss (Ballerinas/Aufschlag) erzählte von ihren Erfahrungen aus dem Frauenfußball. Hier sei die Homosexualität einiger Spielerinnen zwar ein sehr offenes Geheimnis, aber es herrscht vor allem Widerstand von den Verbänden. So ließen der schwedische und der deutsche Fußball-Verband Spielerinnen wissen, dass bei einer Teilnahme an den Gay Games oder Euro Games ein Einsatz in der National-Elf unmöglich sei. Aufschlag ist auch nicht von den offiziellen Verbänden anerkannt, so dass es maximal Freundschaftsspiele mit anderen Vereinen gäbe.
Kurt Wachter von fairplay/FARE (Football against Racism in Europe) erzählte von den Anfängen der Anti-Rassismus-Arbeit vor zehn Jahren und die damalige Weigerung der FIFA auch die Homophobie in den Stadien zu thematisieren, was mittlerweile geändert worden ist. Er berichtete auch über erste Erfolge bei einzelnen nationalen Verbänden, die das Problem Homophobie offensiver angehen wollen. Dabei seien allerdings nur erste Schritte gesetzt worden, denn die Aufgabe ist langwierig.
Die Fans
In einer zweiten Runde kamen schließlich die Fans zu Wort, von denen einige auch vom anderen Ufer gekommen sind.
Gerd Eiserbeck von den Hertha Junxx, dem schwul-lesbischen Fanclub des Bundesligisten Hertha BSC, erzählte von der guten Zusammenarbeit mit dem Verein. Grund dafür sei, so Eiserbeck, die Möglichkeit des Vereins, ein Gegengewicht zu den weniger gemäßigten Fangruppierungen zu stellen. Und er plädierte dafür, die Sprüche nicht all zu ernst zu nehmen.
"Oft ist denen nicht bewusst, was sie da in den Sprechchören rufen" sagte Martin Schwarzlantner, der Fan-Koordinator des österreichischen Meisters Austria Wien, dazu. Spricht man die Fans einzeln an, so kommen die erst drauf, dass sie da was sagen, was andere beleidigen könnte. Dass nicht nur die Fankurven ein Monopol auf homophobe Sprüche hätten bestätigte Didi Constantini. Was man auf den teureren Plätzen oder gar im VIP-Bereich zu hören bekam, sei kaum besser.
Wolfgang Raml von den "FreundInnen der Friedhofstribüne" und Christian Tesar von den "Döblinger Kojoten" wissen auch warum: Es ist natürlich einfacher, eine kleine Fangruppe zu sensibilisieren, als auf eine große Fankurve Einfluss zu nehmen. In der Masse fühlen sich viele anonym genug um mitzugröhlen.
Patentlösungen konnten an diesem Abend keine gefunden werden, denn das Problem Homophobie manifestiert sich sowohl auf Verbands-, als auch auf Vereinsebene. Nur Hand in hand mit einer politischen und gesellschaftlichen Offenheit lässt sich auch im Fußball etwas ändern. Die Fußballwelt selbst kann dazu aber sehr wohl was beitragen.
In einem waren sich übrigens alle DiskutantInnen einig: Das Ausziehen vom Leiberl nach erfolgreichem Treffer muss unbedingt wieder erlaubt werden und soll nicht mit einer gelben Karte bestraft werden.
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