Die Grünen

Donnerstag, 17. Mai 2012

www.gruene-andersrum.at/linke_emanze

WIR LASSEN EUCH NICHT HÄNGEN!

04.10.2010 21:31

 

WIR LASSEN EUCH NICHT HÄNGEN!

Jennifer Kickert und Martina Wurzer im Gespräch über grüne Frauenpolitik, "Feminismus" als Schimpfwort und die Debatte um das Kopftuchverbot.

Was kann FRAU von den Grünen erwarten?

Jennifer: So unterschiedlich wie die Frauen selbst sind, sieht das Frauenbild der Grünen aus. Was man aber generell sagen kann, ist, dass Frauen „im Politikmachen“ bei den Grünen absolut gleichberechtigt mitmachen können.

Martina: Bei den Grünen ist die Macht auf beide Geschlechter gleich verteilt. Das betrifft auch unsere politischen Forderungen und die Herangehensweise an die Gesellschaft.

Gehen die Grünen mehr auf Frauenthemen ein als andere Parteien?

Jennifer: Ja. Denn wir zeigen auf, dass die Ideale, die alle Parteien mehr oder weniger vor sich hertragen nur dann erreicht werden können, wenn man die Bedingungen dafür schafft, siehe z. B. Kinderbetreuung. Seit Jahrzehnten ist das eine ständige Forderung von uns, permanent wird den Frauen eingeredet „ist eh da“, aber Tatsache ist, dass junge Eltern schwer einen Kinderbetreuungsplatz finden.

Martina: Wenn wir uns die Forderungen von damals anschauen – vor 100 Jahren – nicht einmal die Hälfte davon ist erfüllt! Am deutlichsten merkt man das am Arbeitsplatz, dieser große Unterschied im Verdienst zwischen Männer und Frauen ist ein Wahnsinn, die anderen Parteien setzen keine wirksamen Maßnahmen.

Warum ist das so?

Jennifer: Ganz banale Antwort: Weil die Umsetzung weh tut – nämlich den Männern. In dem Moment, in dem du sagst, in allen börsennotierten Unternehmen wollen wir 40 % Frauen in den Aufsichtsräten, trifft es 40 % Männer, die diesen Job jetzt besetzen oder in Zukunft diesen Job nicht mehr haben werden.

Die Grünen – eine Frauenpartei?

Jennifer: Vielleicht klingt das romantisierend – aber Umweltschutz, die Erhaltung des Lebensraumes oder Lebensqualität sind Themen, bei denen ich mir denke, dass sie Frauen ansprechen. GRÜN ist eben feminin!

Martina: Für mich war immer ausschlaggebend, dass die Grünen die einzige Partei sind, die Feminismus auch wirklich zu den Grundwerten zählt. Das ist für mich ein wichtiger Grundsatz.

Martina, Deine Schwerpunkte sind u.a. Frauen, Demokratie & Menschenrechte. Was fällt Dir spontan zu Frauenrechten ein?

Martina: ... dass Frauenrechte etwas sind, die auf dem Papier bestehen, aber bei weitem noch nicht umgesetzt sind und dass die Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist.

Feministische Politik, was ist das?

Martina: Feministische Politik heißt, sich gegen jede Hierarchisierung von Menschen zu stellen – nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch jene zwischen Inländer_innen und Ausländer_innen usw. Wir kämpfen gegen die Ungleichbewertung!

Jennifer: Feministische Politik heißt für mich, immer wieder und permanent daran zu denken, gegen diese Hierarchien zu kämpfen.

Warum wird Feminismus heute oft als Schimpfwort gebraucht?

Jennifer: Frauen sagen oft: „Ja, ich bin eine emanzipierte Frau. Aber ich bin keine Feministin.“ Das ist ein Widerspruch! Schon der erste Teil des Satzes sagt schon, dass du eine Feministin bist! Und ich kann nur alle Frauen ermuntern: Lasst Euch nicht von diesem negativen Image, das dem Feminismus hauptsächlich von Männern aufgebrummt wird, einschüchtern!

Martina: Wir sind da unbeirrbar und bleiben dabei, den Wert „Feminismus“ für uns in Anspruch zu nehmen – natürlich auch dieses Wort.

Jennifer, Deine politische Laufbahn begann 1996 bei den Grünen. Was haben die Grünen für die Frauen bewirken können?

Jennifer: Die Grünen waren immerhin die erste Partei mit einer Frau an der Spitze.

Martina: Ich bin mir sicher, dass das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld

ohne uns nicht auf der Agenda wäre, das haben wir jahrelang argumentiert und das argumentieren wir auch weiterhin.

Das Tragen des Kopftuches von Musliminnen gehört zu den meist diskutierten Symbolen islamischen Glaubens. Wird es in Österreich ein Kopftuchverbot geben?

Martina: Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich persönlich bin gegen ein Kopftuch, aber auch gegen ein Kopftuchverbot. Natürlich freue ich mich nicht, wenn ich Frauen auf der Straße mit Kopftuch sehe. Es ist ein Merkmal der Unterdrückung – da gibt es nichts zu diskutieren. Andererseits finde ich die Debatte um ein Kopftuchverbot völlig verfehlt; vor allem solange wir in Österreich in unserer Gesetzgebung Frauen überhaupt nicht in die Situation versetzen, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Wir wünschen uns selbstverständlich, dass Menschen, die hier leben, auch unsere Grundsätze und Wertvorstellungen mit uns teilen.

Jennifer: Es hat doch noch nie etwas gebracht, in irgendeiner politischen Auseinandersetzung oder bei einem gesellschaftspolitischen Thema ein Symbol zu verbieten.



Andersrum Magazin
 

RSS 2.0

IMPRESSUM
Grüne Andersrum Wien
c/o Grüner Klub im Rathaus
A-1082 Wien, Stiege 6
Tel: +43 1 4000 81800
Fax: +43 1 4000 99 81800
andersrum.wien@gruene.at

KOMMENTARE

Dein Kommentar
 

Benützungsbedingungen

Die Kommentare von BenutzerInnen geben nicht die Meinung der Grünen Andersrum wieder. Die Grünen Andersrum behalten sich vor, rassistische, sexistische, diskriminierende, pornografische, nationalsozialistische oder beleidigende Kommentare zu entfernen bzw. den jeweiligen Account zu sperren. Der/Die Benutzer/In kann diesfalls keine Ansprüche stellen.