identities 07
01.06.2007 11:13
identities 07
Auch dieses Jahr hat sich Barbara Reumüller wahrscheinlich einige Haxen ausgerissen um Filme zu organisieren, die noch nie oder schon lang nicht mehr hierzulande im Kino zu sehen waren.
Raritäten
Wie schwer es ist, spielbare Kopien von Filmen zu bekommen, die für die Älteren unter uns noch recht präsent sind, habe ich bei dem Versuch am eigenen Leib erfahren müssen, einen Film für das Grüne Andersrum-Wirtschaftskino zu organisieren. Dabei hatten wir uns einen Film ausgesucht, der recht gut gepasst hätte: Zwei junge Männer, die sich beruflich selbstständig machen wollen, Konflikte rund um die Herkunft, eine hinreissende Liebesgeschichte und außerdem noch ein junger Darsteller, ein Regisseur und ein Autor, die mit diesem Film zu Superstars auf ihren Gebieten wurden. Doch es half alles nichts: My Beautiful Laundrette aus dem Jahr 1985 war nicht mehr erhältlich - weder als 35mm Kino-Kopie, noch als halbwegs brauchbare DVD.
Deshalb: Chappeau, Barbara!
Und weil wir gerade beim Thema sind: Wer sich diesmal Derek Jarmans Caravaggio entgehen lässt, dem ist nicht zu helfen. Die Möglichkeit Tilda Swinton zu sehen, wie sie als graues, mausartiges Wesen durch eine Geste zu einer betörenden Schönheit wird, darf nicht ungenutzt verstreichen.
Meine weiteren persönlichen Highlights dieses Jahr, die ich uneingeschränkt empfehlen möchte:
Les Témoins von André Téchiné ist eine wunderschöne, niemals laute, Geschichte. Sie erzählt von einer Gruppe von Menschen in den Zeiten in denen Aids als Bedrohung erst allmählich an Bedeutung gewinnt, damals am Anfang der 80er Jahre. Dabei entspinnt sich eine Beziehungsgeschichte zwischen den ProtagonistInnen, in der die Grenzen zwischen Homo- und Heterosexualität schlichtweg verschwimmen.
Dieses Gefühl des "anything goes" und der freien Liebe, davon erzählt in ganz anderer Weise der Dokumentarfilm Gay Sex in the 70s von Joseph Lovett. New York ist Schauplatz und Hauptdarsteller des Films, Menschen erzählen von ihren sexuellen Eskapaden, erzählen was die Antriebsfeder war und wie der Ausbruch von Aids auf ihr Lebensgefühl wirkte. Unbedingt sehenswert meiner Meinung nach.
Passend dazu auch die Doku That Man: Peter Berlin, denn eine der Ikonen jener Zeit hat überlebt. Ein faszinierender Blick auf einen Mann, den Mapplethorpe und Tom of Finland gleichermaßen portraitiert haben.
Dass die Menschen auf den Philippinen wenig Probleme mit Rollenklischees zu haben scheinen zeigt eindrucksvoll der Kinderfilm Ang Pagdadalaga Ni Maximo Oliveros: Der kleine Maximo ist 12 und seit dem Tod der Mutter hat er die Rolle der Hausfrau übernommen: Er kocht und wäscht für seinen kriminellen Vater und seine Brüder, in seiner Freizeit organisiert er Shows mit seinen Freunden oder spielt mit den Mädchen in den Slums von Manila. Doch seine Freundschaft zu einem jungen Polizisten erweist sich als schwierig, denn dieser hat einen Mord aufzuklären, den möglicherweise Maximos Vater begangen hat. Ein wunderbarer Film über das Erwachsen werden.
Nicht für jeden, aber immer wieder erfrischend ist der zutiefst Berliner Humor von Ades Zabel. In Jörn Hartmans exquisit fotografierten Film 18.15 Uhr ab Ostkreuz spielt Ades in bester Trümmertuntentradition die Berliner Miss Marple Karin Höhne. Als beste Freundin an ihrer Seite das Fräulein Schneider. Sehr böse, sehr inkorrekt, sehr witzig.
Mit schöner Regelmäßigkeit finden sich Filme von Eytan Fox auf den Bestenlisten, seien es "Walking On Water" oder "Yossi & Jagger". Mit The Bubble bleibt er seinen Kernthemen treu: Der Zerissenheit der israelischen Gesellschaft im Spiegelbild des kleinen, privaten Glücks. Eine WG in Tel Aviv, in der Schwule und Heteros gemeinsam wohnen, kommt durch die Ankunft eines jungen Palestinänsers durcheinander.
Mit Quinceañera von Richard Glatzer und Wash Westmoreland schließt das Festival und auch meine persönliche Empfehlungen schließen damit. Der Film hat einfach alles, was zu einem guten Jugendfilm gehört: Eine tolle Hauptdarstellerin, eine berührende Geschichte. Was will man mehr.
Ansonsten freue ich mich auf Wiedersehen mit Far from Heaven, Desert Hearts, La Ley Del Deseo, Poison, The Watermelon Women. Und auf das Entdecken von Spider Lillies, Solange du hier bist, The Dying Gaul, The Pirate Films, Bubot Niyar, Ein neues Land, Nina's Heavenly Delights, Reinas und zahlreiche Kurzfilme.
Was für eine harte Woche...
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